Stunde der Wintervögel 2014: Spatzen sind Spitze

Der Haussperling wurde 2014 am häufigsten in Deutschlands Gärten gezählt.

Der Haussperling wurde 2014 am häufigsten in Deutschlands Gärten gezählt.

Mehr als 73.000 Menschen griffen bei der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ am Wochenende vom 3. bis 6. Januar zum Fernglas, um Vögel zu zählen und an den NABU und den Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zu melden. Die bereits zum vierten Mal bundesweit durchgeführte Zählung ist damit Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Insgesamt wurden am Aktionswochenende mehr als 1,9 Millionen Vögel aus über 51.000 Gärten gemeldet. Der Hausperling hat sich den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten vom Vorjahressieger Kohlmeise zurückgeholt. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Feldsperling, Blaumeise und Amsel.

Spatzen sind auch in Mecklenburg-Vorpommern die häufigsten Vögel. Foto: Joachim Kloock

Spatzen sind auch in Mecklenburg-Vorpommern die häufigsten Vögel. Foto: Joachim Kloock

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich über 2.000 Vogelbegeisterte an den Erfassungen und meldeten fast 70.000 Vögel. Auch hier teilen sich dieselben drei Arten wie bundesweit die Plätze auf dem „Sieger-Treppchen“. Allerdings belegen Feldsperlinge hinter dem Hausspatz den 2. Platz, während die Kohlmeise im Vergleich zum Vorjahr auf den dritten Platz abfiel. Trotz dieses Rückgangs in absoluten Zahlen wurden Kohlmeisen in über 92 Prozent der Gärten gezählt. Damit bleiben sie die am weitesten verbreitete Vogelart in den Gärten Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Häufigkeit der „Spatzen“, also des Haus- und des Feldsperlings deckt sich hingegen nur vordergründig mit den bundesweiten Ergebnissen. Schließlich kamen bundesweit nur noch in knapp über der Hälfte der Gärten Haussperlinge vor. In Mecklenburg-Vorpommern waren Hausspatzen dagegen in 77 Prozent der Zählgebiete vorhanden. Auch der Feldsperling ist bei uns häufiger anzutreffen als im Bundesvergleich (in MV in 57 Prozent, bundesweit in 38 Prozent der Gärten). „Je steriler und naturferner die Gärten gestaltet sind, desto schlechter ist dies für die beiden Spatzenarten und viele weitere Singvögel“, erklärt Ulf Bähker vom NABU Mecklenburg-Vorpommern.

Auf den vierten Rang kam der Grünfink, gefolgt von der Blaumeise. Hier galt: Ein Grünfink kommt selten allein. „Gerade an Futterstellen kann man Trupps dieser Art beobachten, wenn sie z.B. Sonnenblumenkerne fressen und dabei ihren Platz gegen Artgenossen und andere Vögel verteidigen“, so Bähker weiter. Die Amsel belegt wie im Vorjahr den sechsten Platz der häufigsten Vogelarten in MV. Dabei kam sie in 84 Prozent der Gärten vor.

Top 10 der Vögel

Zu den Top Ten zählten ferner die Elster, die ihre Vorjahresplatzierung hielt, die Nebelkrähe und das Rotkehlchen. Eine Überraschung war das Auftauchen der Graugans in den ersten zehn Plätzen. Die Erklärung liegt darin, dass einige wenige, dafür aber individuenstarke Zugformationen dieser Vogelart beobachtet wurden. Ein Hinweis auf den bis Anfang des Jahres noch zu warmen Winter.

Vögel-Top-10: Durchschnittszahl pro Garten im Winter (links) und im Frühjahr (rechts)
1. Haussperling5,295,6
2. Kohlmeise5,243,16
3. Feldsperling3,700,92
4. Blaumeise3,682,5
5. Amsel2,943,64
6. Grünfink2,171,91
7. Buchfink1,641,4
8. Elster1,531,77
9. Rabenkrähe1,160,81
10. Rotkehlchen0,840,84

Dazu passt die Beobachtung von 352 Kranichen, die ebenfalls bei der Zählung erfasst wurden. Während der größte Teil der Kraniche schon längst durchgezogen ist, harren einige dieser Vögel noch aus. „In den letzten Jahren versuchen immer wieder einige Kraniche bei uns zu überwintern. Gelingt dies, sind sie ihren Artgenossen gegenüber im Vorteil, da sie dann näher an den Brutgebieten sind“, so NABU-Vogelexperte Ulf Bähker. Auch Hausrotschwänze, Rotmilane und sogar drei Mönchsgrasmücken wurden gemeldet. Sie alle bestätigen den bis Anfang des Jahres ausgebliebenen Winter.

Im hohen Norden und im östlicheren Europa scheint es ein differenzierteres Bild zu geben. Während teils große Seidenschwanz-Trupps gemeldet wurden, die zumindest auf einen Nahrungsmangel in den nördlichen Verbreitungsgebieten hindeuten, blieben die üblichen Schwärme von Bergfinken bislang noch aus.

Bundesweit 170 Vögel erfasst

Bundesweit wurden bei der diesjährigen Wintervogelzählung fast 170 Vogelarten erfasst. Dies vermittelt einen Eindruck der Vielfalt an Vogelarten, die im Winter in unseren Gärten und Parks zu beobachten sind. Darunter finden sich auch Raritäten, für die einige Vogelbeobachter eine lange Anreise in Kauf nehmen, um diese Art einmal „live“ erleben zu können. So hielt sich eine Sperbereule in einem Garten im Erzgebirge auf. Ihre Heimat am Polarkreis verlässt sie nur selten.

Auch im Frühjahr können Naturfreunde dem NABU bei der Bestandserfassung helfen. Vom 9. bis 11. Mai 2014 findet die bundesweite „Stunde der Gartenvögel“ statt. Dann stehen die Brutvögel in den Gärten und Parks im Mittelpunkt des Interesses. Die langfristig angelegten Aktionen „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“ liefern Vogelschützern wertvolle Informationen zum Schutz der Artenvielfalt.

    Veröffentlicht von WMNDE.de

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